Konzert

LEIPZIG 1625

Melodien aus dem Graduale der Thomaskirche bilden den Cantus firmus für diese improvisierte Messe, bei der sich Vokal- und Orgelverse abwechseln. Wir stellen uns vor, wie vor 400 Jahren Thomaskantor Johann Hermann Schein einige seiner besten Kontrapunktisten um sich scharte, und seinen berühmten Kollegen aus der Nachbarstadt Halle, Samuel Scheidt, dazu einlud, die Orgelverse beizutragen.

Carlos Bollo (Orgel)

Caroline Sordia, Julia Marty, Milo Machover, Niels Berentsen, Iason Marmaras (Gesang)

Freitag, 3. Oktober – 19:30

Westkreuz (Heilandskirche)

Weißenfelser Str. 16, 04229 Leipzig

Eintritt 18 € / ermäßigt 12 € zzgl. VVK-Gebühr

Carlos Julian Fernandez Bollo

wurde 2000 in Mugardos (Galicien, Spanien) geboren und gilt schon heute als einer besten Orgelimprovisatoren in Stilistiken des 17. und 18. Jahrhunderts. Nach Studien von Klavier und Improvisation kam er 2018 nach NL-Groningen, wo er unter seinen Orgellehrern Erwin Wiersinga und Theo Jellema sein Studium summa cum laude abschloss. Besonders bemerkenswert ist seine daran anschließende Spezialisierung auf historische Improvisation, die er in seinem Masterstudium bei Sietze de Vries ebenda perfektionierte.

Kürzlich wurde er beim 5. Francisco-Salinas-Orgelwettbewerb in Burgos, Spanien, mit dem Ersten Preis ausgezeichnet. Er war Titularorganist der Kathedrale von Mondoñedo (Lugo, Spanien), und ist seit 2024 Titularorganist der Kathedrale in León (Spanien).


Caroline Sordia

studierte Gesang und Improvisation in Gent und spezialisierte sich mit Guillermo Pérez auf das Repertoire des Mittelalters am königlichen Konservatorium in Brüssel. Außerdem spielt sie Schalmei und mittelalterliche Drehleier und erhielt im Januar 2023 ihr Diplom in den Klassen von Katarina Livljanić und Ian Harrison an der Schola Cantorum in Basel. Außerdem erforschte sie improvisierten Kontrapunkt unter Barnabé Janin, Jean-Yves Haymoz, Antoine Schneider & David Mesquita und ist Mitglied im auf improvisierten Kontrapunkt spezialisierten Ensemble La Panthera. In verschiedenen weiteren Ensembles konzertiert sie mit Musik von Hildegard von Bingen bis Berio und arbeitet neben ihrer musikalischen Tätigkeit als Übersetzerin und Radiosprecherin.

Julia Marty

Milo Machover

erhielt seine musikalische Ausbildung in Paris und Freiburg. Als Spezialist für Alte Musik hat der Sänger und Traversflötist mit Ensembles wie Non Papa, Cantus Modalis und Schola Stralsundensis gearbeitet und ist Gründungsmitglied von Nusmido. Seit 2011 unterrichtet er frühe Ensemblemusik an der Musikhochschule Frankfurt.

Niels Berentsen

ist Sänger, Forscher und Musikpädagoge mit Spezialisierung auf die Musik des Spätmittelalters und der Renaissance. Er ist Dozent an der Haute école de musique de Genève (HES-SO) und unterrichtet Kontrapunkt, musikalische Rhetorik und Forschung. Als Wissenschaftler erforscht er Techniken der polyphonen Improvisation und Komposition in der Zeit von 1300-1500. Er ist Leiter des Ensembles Diskantores, dessen erste Aufnahme Hollandse Fragmenten (muso, 2021) von der Kritik sehr gelobt wurde, und tritt regelmäßig mit Ensembles wie Chiome d’Oro (Genf) und Capella Sancta Maria (Amsterdam) auf.

Iason Marmaras

ist Tasteninstrumentalist, Sänger und Dirigent. Er studierte in Den Haag und Basel und lehrt momentan Improvisation, Generalbass und Vokalensemble an der mdw Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er ist Gründer und Leiter der Schola Cantorum Sancti Pauli, einer Schule der Polyphonie der Renaissance in Kooperation mit dem Athener Konservatorium und der Anglikanischen Kirche St. Paul in Athen. Er leitet ihre Vokalensembles, die Cantores & Cappella Sancti Pauli, bei monatlichen Renaissance Evensongs in der St. Paul-Kirche, bei Lateinischen Renaissance Vespern in der St. Dionysius-Kathedrale in Athen und auch bei Konzerten in Griechenland sowie im Ausland. Er ist u.A. Cembalist im APOLLΩN Ensemble, Organist im Viadana Collective und Sänger bei La Risonanza (Fabio Bonizzoni). Er gewann den 1. Preis der „First International Basso Continuo and Partimento Realization Competition“ (2019), sowie den 1. Preis des Berliner Bach-Wettbewerbes (2018) mit dem Ensemble Chorda Elegans. Mit zahlreichen weiteren Ensembles ist er weltweit unterwegs, und als Cembalist im Scroll Ensemble war er bereits mehrfach Gast bei EX TEMPORE.

AlteMusik-JamSession (440/415Hz) mit Tanz

im Anschluss an das Konzert

Sessionmaster: Michael Spiecker

Tanzmeisterin: Mareike Greb

Open stage

Mit den AlteMusik-JamSessions schaffen wir ein Podium, bei dem kreative Köpfe aus ganz Europa in Leipzig unter einen Hut kommen. In Fortsetzung der Auftritte im Zimmermannschen Kaffeehaus von Telemann, Bach, Fasch, Pisendel und Co. wird in einer mit Jazz vergleichbaren Aufführungssituation, aber in barocker Stilistik improvisiert. Das Podium ist offen, jeder der möchte kann mitjammen.

Ivo Haun de Oliveira

Ivo Haun wuchs in Brasilien auf. Dort erhielt er ab 2003 professionellen Musikunterricht auf der klassischen Gitarre, den er vier Jahre später mit einem Gesangsstudium fortsetzte. In Basel seit 2010, er schloss 2015 sein Masterstudium bei Gerd Türk an der Schola Cantorum Basiliensis ab und gewann weitere Inspirationen durch Unterricht bei Richard Levitt und Meisterkurse bei Maria Cristina Kiehr, Andreas Scholl, Alessandro de Marchi, Christoph Prégardien, Dominique Visse u.a. Seine Hauptinteressen als Künstler sind die virtuose Singkunst der Renaissance und des Frühbarock, Improvisationspraktiken, die Verbindung von Rhetorik und Musik und die Aufführung von Musik vom 14. bis zum 17. Jahrhundert aus Originalnotation. Ivo Haun spielt auch Renaissancelaute und ist sehr aktiv als Solo- und Ensemblesänger, u.a. mit La Cetra (Andrea Marcon), La Morra (Corina Marti und Michal Gondko), Basler Madrigalisten (Raphael Immoos), Musica Fiorita (Daniela Dolci) und Thélème (Jean-Christophe Groffe).

Ariane Jeßulat (Berlin)

Ariane Jeßulat, geb. 1968, Studium an der UdK Berlin, nach Lehraufträgen dort und der Mitarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin seit 2004 Professorin an der Hochschule für Musik Würzburg sowie seit 2014 Mitglied des Instituts für Musikforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Seit Sommer 2015 Professorin für Musiktheorie und seit August 2020 Erste Vizepräsidentin an der UdK Berlin. Promotion 1999 an der UdK Berlin Habilitation 2011 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Veröffentlichungen zu Fragen der Musiktheorie, zur Musik Richard Wagners und zur Musik nach 1950. Seit 1989 ständige Arbeit im von Dieter Schnebel gegründeten Ensemble für zeitgenössische und experimentelle Musik die maulwerker.

Josué Melendez

Josué Meléndez, (Zink) begann seine musikalischen Studien in Costa Rica am Conservatorio Castella. Von 1991-1996 studierte er an der Escuela Nacional de Música, Universität von Mexiko und gründete das erste Festival für Alte Musik Mexikos; Festival Santo Domingo de Música Antigua, wo er L’Orfeo von Claudio Monteverdi und viele andere Projekte dirigierte. 1997 zog Josué nach Den Haag wo er zwei Blockflöten-Diplome am Koninklijk Conservatorium abschloss, darunter eines mit Auszeichnung für Neue Musik. Von 2002 bis 2006 studierte er Zink an der Schola Cantorum Basiliensis bei Bruce Dickey. Seitdem arbeitet er als Zinkenist und Blockflötist weltweit in Konzerten und CD Aufnahmen mit führenden Ensembles der Alten Musik, wie Concerto Palatino, La Fenice, Les Cornets Noirs, Musica Fiata, Oltremontano, Nederlandse Bach Vereniging und mit renommierten Dirigenten wie Ton Koopman, Jordi Savall, Gabriel Garrido, Rinaldo Alessandrini, Claudio Cavina, Phillip Herreweghe, Paul van Nevel, Thomas Hengelbrock, Sigiswald Kuijken u.a. Josué Meléndez ist Spezialist für barocke Improvisation und unterrichtet an der Hochschule für Musik Trossingen und den Sommerakademien von Nepi und Urbino.

Andreas Böhlen (Basel)

Andreas Böhlen studierte Blockflöte bei Ulrike Petritzki, Günther Höller, Dorothee Oberlinger, Walter van Hauwe und Paul Leenhouts. Auch studierte er Jazz-Saxophon bei Jasper Blom, Ferdinand Povel, Dick Oatts und Domenic Landolf. Nach dem Studium der Musikwissenschaft in Bologna spezialisierte er sich an der Schola Cantorum Basiliensis auf historische Improvisation.
2003 gründete er mit Theatrum Affectuum eine erste Kammermusikgruppe im Bereich der Alten Musik, mit der er mehrere Alben veröffentlichte. In anderer Besetzung entstand die Satyr’s Band, die Kompositionen aus dem 16. und 17. Jahrhundert eigenen Werken gegenüber stellte, während er mit der Andreas Böhlen Band (Debütalbum 2012) und der Gruppe Crank im Jazzbereich aktiv ist. Im Duo mit Tobias Guttmann (Perkussion) interpretiert er Neue Musik.
Andreas Böhlen lehrt Hauptfach Blockflöte an der Kunstuniversität Graz und an der Zürcher Hochschule der Künste.

Sheng-Fang Chiu (Wien)

Die aus Taiwan stammende Blockflötistin Sheng-Fang Chiu ist sowohl als Kammermusikerin als auch als Solistin auf internationalen Konzertbühnen tätig. Zudem widmet sie sich mit großem Engagement ihrer Lehrtätigkeit. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie bei Michael Posch sowie Anna Januj. Weitere wichtige musikalische Impulse bekam sie durch die Zusammenarbeit mit Walter van Hauwe.
Als Solistin konzertiert sie regelmäßig in Europa und Asien und wurde eingeladen, das Tartini Festival in Piran sowie das Bach Festival in Prag zu eröffnen. Außerdem wirkt sie in verschiedenen Kammermusikensembles und Orchestern mit und trat bei Festivals wie u.a. den Salzburger Festspielen, dem Istanbul Music Festival auf und konzertierte in Konzertsälen wie dem Wiener Konzerthaus, dem Musikverein Wien, dem Gewandhaus Leipzig oder dem Cuvilliés-Theater München.
Sie leitete Meisterkurse in Österreich, Deutschland, Taiwan, Südkorea, Tschechien, Iran oder Polen an Universitäten wie der Fryderyk-Chopin-Musikuniversität oder dem Prague Conservatoire.
Seit 2014 unterrichtet sie als Dozentin für Blockflöte und Kammermusik an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, seit 2017 als Dozentin für Blockflöte an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig.

Eröffnungskonzert

VENEZIA 1625

Einige der schönsten Madrigali von Claudio Monteverdi werden reichhaltig mit instrumentalen Improvisationen garniert. Als besonderes Highlight erklingen improvisierte Sonate concertate, inspiriert durch die gleichnamigen Werke des venezianischen Stargeigers Dario Castello – Gänsehautmusik!

Viola Blache (Sopran)

Ensemble all’improvviso:

Michael Spiecker (Barockvioline)

Martin Erhardt (Blockflöte)

Miyoko Ito (Viola da Gamba)

Christoph Sommer (Laute)

Donnerstag, 2. Oktober – 20:00

Alte Börse

Naschmarkt 2, 04109 Leipzig

Eintritt 18 € / ermäßigt 12 € zzgl. VVK-Gebühr

Viola Blache

Die gebürtige Leipzigerin wuchs in einem kirchenmusikalisch geprägten Umfeld auf, was ihr einen besonderen Zugang zur geistlichen Musik verschaffte und ihre tief empfundene Liebe zum Singen prägte. Sie studierte Alte Musik in ihrer Heimatstadt bei Marek Rzepka und in Amsterdam bei Xenia Meijer. Viola konzentriert sich auf die Interpretation von Alter und Zeitgenössischer Musik. Zuletzt war sie solistisch mit der Niederländischen Bachvereinigung (Shunske Sato) zu hören. Sie musizierte mit Dirigenten wie Peter Dijkstra, Bart van Reyn, Ton Koopman, Ed Spanjaard, Hans-Christoph Rademann und Thomaskantor Andreas Reize und gastiert regelmäßig Gast bei Festivals wie dem Oude Muziek Festival Utrecht, dem Beethovenfest Bonn oder dem Bachfest Leipzig. Sie ist Sonderpreisträgerin des dortigen Bachwettbewerbs sowie des Telemannwettbewerbs Magdeburg. Ihre Passion für den Ensemblegesang verdankt Viola ihrer preisgekrönten rein weiblichen Vokalgruppe Sjaella, die sich die Erweiterung des Repertoires für Frauenstimmen zum Ziel macht. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie außerdem mit dem Solistenensemble Vox Luminis (Lionel Meunier), dem Collegium Vocale Gent (Philippe Herreweghe) und dem Berliner Ensemble Continuum (Elina Albach).


Das Ensemble all’improvviso steht für eine stilreine Verschmelzung von historischen Improvisationen und Repertoire. Die Musiker verbinden auf diese Weise höchste musikalische Lebendigkeit mit einer präzise recherchierten Aufführungspraxis. Die Mitglieder des Ensembles studierten an bedeutenden Alte-Musik-Instituten der Hochschulen u.A. in Den Haag, Leipzig, Weimar, Bremen und Basel und geben ihr Wissen inzwischen selbst als Dozenten an Hochschulen und Musikschulen weiter. Konzerte führte das mitteldeutsche Ensemble bisher u.A. zum Bachfest Leipzig, zu den Händel-Festspielen Halle, zum Heinrich Schütz Musikfest, zur Bachbiennale Weimar und zum Festival Alte Musik Knechtsteden. 2017 erschien das Album „Ohrwürmer auf Reisen“ und 2022 die CD „Ohrwürmer für Kinder“.

Adrien Pièce (Lausanne)

Adrien Pièce wurde 1988 in der Schweiz geboren. Er studierte an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel im Fach Historische Tasteninstrumente (Orgel/Cembalo) und absolvierte mit Auszeichnung in den Klassen von Andrea Marcon, Rudolf Lutz (Improvisation), Lorenzo Ghielmi und Jörg-Andreas Bötticher.
Er ist Preisträger verschiedener internationaler Wettbewerbe: Paul Hofhaimer Wettbewerb Innsbruck, Concorso internazionale di Clavicembalo, Pesaro (1. Preis).
Er konzertiert in verschiedenen Länder Europas als Solist und mit Alte Musik Ensembles. 2016 führte er die Goldberg Variationen von Johann Sebastian Bach im Wiener Konzerthaus, Wien, im Rahmen des alte Musik Festivals Resonanzen auf. Seine vielfältigen musikalischen Interessen umfassen unterschiedliche Repertoires auf allen Tasteninstrumenten, italienische Musik des Frühbarock und Improvisationspraxis in verschiedenen Stilen.

AlteMusik-JamSession – Freitag

Freitag, 24. September
ab 21:00

Ort noch offen

Eintritt frei

Forum für alle spontanen Musiker

Sessionmaster: Jostein Gundersen